Am Donnerstag hat Elon Musk in Texas einen Tesla-Roadster vorgeführt, der mithilfe von SpaceX-Triebwerken kurz abhebt, Rollen fliegt und wieder landet. Sicher: perfektes Marketing. Ein Technologie- und Raumfahrtverbund, der zugleich Autos baut, zeigt, was möglich ist. Europäische Hersteller zeigten fast gleichzeitig eine günstige Elektro-Ente und einen Luxus-Porsche, die beide formal die eigenen früheren Erfolge beschwören. Der fliegende Tesla zitierte hingegen das, was bis vor kurzem noch Science-Fiction war. Die erwartbare Reaktion darauf hat die Spaltung gezeigt, die mittlerweile täglich durch die westliche Gesellschaft geht: Auf der einen Seite eine Technologiebegeisterung, die in dem Stunt vor allem das Spiel, die Form und die Erweiterung menschlicher Möglichkeiten sieht. Auf der anderen Seite, besonders in Europa und in Deutschland, eine Mischung aus Reserviertheit und offener Ablehnung. Man fragt sofort nach Sinn und Zweck, nach Energiebilanz, nach Regulierung und nach dem, was das Ganze „wirklich“ bringt. Das Lachen bleibt aus. Das Kichern sowieso.
Diese Reaktion ist kein Zufall. Sie hängt mit einem tieferen Wandel zusammen, der sich seit den späten 1960er und frühen 1970er Jahren vollzogen hat. Marshall McLuhan hat Medien und Technik noch als formale Umwelten verstanden: Erweiterungen des Menschen, die unsere Sinne und Verhältnisse umgestalten, oft unbemerkt. Kunst, Satire und auch technische Experimente konnten in diesem Rahmen als Gegen-Umwelt funktionieren: Sie machen die Form sichtbar, ohne dass bestimmte Inhalte oder bestimmte Akteure a priori geschützt oder verdächtigt werden müssten. Die französische Schule (Foucault, Derrida, Lyotard), die danach dominant wurde, verschiebt den Schwerpunkt. Sprache, Diskurs und Machtverhältnisse werden zum eigentlichen Gegenstand. Große Erzählungen des Fortschritts, der technischen Erweiterung oder der spielerischen Erkundung geraten unter Verdacht. Was als ironische Dekonstruktion beginnt, wird in der späteren Rezeption oft zu einer moralischen Sprache, in der erfolgreiche Technik fast automatisch als Machtakkumulation gelesen wird.
Monty Python und die Loretta-Szene in Das Leben des Brian stehen noch auf der älteren Seite dieser Linie. Eine absurde Forderung wird bis zur Groteske getrieben, die Gruppe verstrickt sich in endlose Debatten, und niemand muss sich moralisch entscheiden. Heute würde dieselbe Szene in vielen Kontexten nicht mehr als Witz funktionieren. Das ist kein reiner Verlust von Humor, sondern eine Verschiebung der Tabus: Das Lachen über die eigene Gruppe, über die eigenen moralischen Ansprüche und über die Logik der eigenen Forderungen wird schwieriger. An manchen deutschen Hochschulen kennt man den späten Abend, an dem hinter verschlossenen Türen jemand sagt, dass sich vieles von dem, was tagsüber als kritische Wahrheit verkündet wird, empirisch oder logisch kaum halten lässt. Man nickt, und am nächsten Tag geht der Betrieb weiter. Die öffentliche Rede und die interne Skepsis laufen parallel. Genau dieser Spalt ist einer der Orte, an denen das gemeinsame Lachen über uns selbst verloren gegangen ist.
Dasselbe Muster zeigt sich in der gegenwärtigen Technikdebatte. Technik wird kaum noch als Erweiterung oder als formale Umwelt betrachtet, die wir beobachten, gestalten oder auch nur spielerisch ausprobieren könnten. Sie wird vor allem daran gemessen, ob sie Energieverbrauch vermeidet, Ressourcen schont und ökologische Ziele erfüllt. Sinn und Zweck reduzieren sich auf Vermeidung. Der menschliche Fortschritt (längeres Leben, weniger körperliche Arbeit, neue Formen der Bewegung und Erkenntnis) tritt in den Hintergrund oder wird als verdächtig behandelt. Wer fragt, warum ein Gerät, das vor allem Spaß macht oder eine technische Möglichkeit erweitert, überhaupt noch legitimiert werden muss, gilt schnell als naiv. Die Absurditäten bleiben unbelacht.
Wir haben das Lachen verloren. Schlimmer noch: Wir haben auch das Kichern verloren. Genau dieses Kichern ließ einst Raketen an Opel-Fahrzeuge packen, machte die Silberpfeile möglich und hat das Automobil überhaupt erst hervorgebracht. Fritz von Opel setzte sich 1928 in den RAK 2, einen Wagen, der mit Pulverraketen angetrieben wurde, nicht weil das die effizienteste Lösung für den Personenverkehr war, sondern weil die Möglichkeit existierte und jemand sie ausprobieren wollte. Die Silberpfeile waren der Versuch, die Form der Geschwindigkeit und der Aerodynamik bis an die Grenze zu treiben. Das Automobil selbst entstand nicht aus einer Vermeidungslogik, sondern aus dem Interesse an einer neuen Erweiterung der menschlichen Bewegung.
Die heutige Technikreserviertheit hat eine innere Logik. Wer jede erfolgreiche technische Innovation vor allem als Machtspiel liest, muss denjenigen, der sie auf den Markt bringt, als potenziellen Feind behandeln. Erfolg wird dann nicht als Ergebnis von Form, Experiment und Interesse gesehen, sondern als Akkumulation, die kontrolliert oder verhindert werden muss. In einer Kultur, die noch kichern könnte, wären Musks fliegender Roadster, die Opel-Raketen oder die Silberpfeile Stoff für Staunen, Ironie und Weiterdenken zugleich. In einer Kultur, die das Lachen und das Kichern weitgehend verloren hat, werden sie zu weiteren Belegen dafür, dass man besser vorsichtig bleibt und alles an Vermeidung und Machtkritik misst.
Heute wird häufig prophezeit, dass unsere Gesellschaft an einer verrückt gewordenen KI zugrunde geht, so wie HAL 9000 in 2001 nach widersprüchlichen Befehlen zum mordenden Psychopathen wurde. Die interessantere Frage aber ist, ob wir als Gesellschaft und an den Hochschulen nicht an der Lüge zugrunde gehen: an der öffentlichen Rede, die sich von der internen Einsicht entfernt, und an der Unfähigkeit, das noch zu bemerken oder darüber zu lachen. Die Präsentation des fliegenden Roadsters war perfektes Marketing eines Technologie- und Raumfahrtverbunds, der zugleich Autos baut: etwas, an dem wir uns eigentlich messen und das uns Ansporn sein sollte. Wir müssen uns fragen, ob wir nicht wieder einen offenen Zukunftsglauben entdecken wollen, manchmal augenzwinkernd, gelegentlich sogar kichernd. Oder ob wir still untergehen und unsere Umwelt, unsere Gesellschaft letztlich nur noch museal verstehen.