Alles lügt. Aber schön. – Prompts aus der Dunklen Kammer.

Einst fürchteten Maler die Daguerreotypie, heute fürchten Fotografen Textzeilen. Das Bild hat seinen Status gewechselt: Es ist kein Beweis mehr, sondern eine statistische Plausibilität – und wird mit jedem Update überzeugender.

Dieser Blog ist ein Versuch, in diesem Übergang nicht die Orientierung zu verlieren. Kein Technik-Evangelium, kein kulturpessimistischer Rückzug. Ich habe mein ganzes Leben mit Fotografie zu tun – nicht als Fotograf – und sie trotzdem aus Gründen studiert. Das Analoge erscheint mir oft schlicht, das Synthetische komplex. Und manchmal genau umgekehrt.

Wer behauptet, den Kurs dieser Entwicklung zu kennen, verkauft meist Gewissheiten. Ich sammle hier eher Beobachtungen: steile Thesen, kleine Verschiebungen, gelegentlich ein Zitat. Es geht um Bildkultur im Zustand permanenter Neuberechnung – und um den Versuch, das Sehen nicht zu verlernen, während Maschinen längst gelernt haben, es zu simulieren.

Die große Entwertung: Vom Polaroid-Trauma zum Cargo-Kult der KI

Die große Entwertung: Vom Polaroid-Trauma zum Cargo-Kult der KI

Das Wissen stirbt leise. Anhand des Scheiterns von Polaroid und dem aktuellen "Cargo-Kult" des KI-Promptings analysieren wir die schleichende Entwertung handwerklicher Expertise. Physikalische Begriffe wie "85mm" verkommen in der synthetischen Fotografie zu reinen "Vibe-Indikatoren" ohne technische Bedeutung. Doch die Disruption macht nicht beim Handwerk halt: Nach dem Fotografen steht nun auch der Art Director vor der Obsoleszenz – stellvertretend für jeden anderen nur denkbaren Beruf.

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Drei Jahre später

Drei Jahre später

Vor etwas mehr als drei Jahren begann die Auseinandersetzung mit KI-generierten Texten, Bildern und Videos. Heute sind diese Systeme Teil realer Arbeitsprozesse, sie lernen selbst, entwickeln sich rasant weiter und verändern unsere Wahrnehmung von Realität, Geschichte und Erinnerung. Ein Rückblick auf die entscheidenden Etappen, die frühen Experimente und die disruptiven Sprünge der letzten Jahre.

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Das Medium ist das Massaker: McLuhan hatte recht.

Das Medium ist das Massaker: McLuhan hatte recht.

Ein Druckfehler machte McLuhan zum Propheten. Sein Buchtitel kippte versehentlich von „Message“ zu „Massage“. Das passt perfekt zum Modus der KI: Sie liefert keine Inhalte, sie liefert eine Behandlung. Sie knetet unseren Geist weich, verwöhnt mit Bildern, die wunschgemäß und passgenau jede Reibung an der Realität ersetzen.

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Die Gamifizierung des Verrats: Amelia und die Asymmetrie der Bilder
Medienkritik & Gesellschaft Dino Mari Medienkritik & Gesellschaft Dino Mari

Die Gamifizierung des Verrats: Amelia und die Asymmetrie der Bilder

Amelia - ein lilahaariges Goth-Mädchen, ein staatlich finanziertes Lernspiel und eine Öffentlichkeit, die beschließt, beides nicht ernst zu nehmen. Was wie ein Randphänomen digitaler Jugendkultur wirkt, ist in Wahrheit ein Lehrstück über Macht, Peinlichkeit und den Kontrollverlust moderner Staaten.

Der moderne Staat scheitert nicht an Extremisten.
Er scheitert an Ironie.

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Lastwagen in Bergamo
Medienkritik & Gesellschaft Dino Mari Medienkritik & Gesellschaft Dino Mari

Lastwagen in Bergamo

Die Kolonne der Angst. Bergamo, März 2020. Ein Militärkonvoi rollt durch die Nacht. Doch was haben wir wirklich gesehen? Und was haben wir hineinprojiziert? Gerade in Krisenzeiten entwickeln Bilder eine Eigendynamik, die eine rationale Einordnung unmöglich macht – vielleicht sogar unmöglich machen soll. Es ist der Moment, in dem sich reale Bedrohung mit historischem und medialem Trauma überlagert.

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Die Hysterie der Algorithmen: das  Leinenhemd als Leichenhemd der Kreativität

Die Hysterie der Algorithmen: das Leinenhemd als Leichenhemd der Kreativität

Ein Mann im Leinenhemd. Frontal. 4K. Klingt harmlos? Für die KI ist das ein "Sicherheitsrisiko": Wenn die digitale Gouvernante das weiße Leinenhemd zum Leichenhemd der Kreativität macht. Wir gewöhnen uns an eine Welt der paranoiden "Safety by Design"-Zensur, in der selbst das Banalste verdächtig ist.

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Nude Britannia: Viktoria und die Silicon-Valley-Nonnen

Nude Britannia: Viktoria und die Silicon-Valley-Nonnen

1857 montierte Oscar Rejlander 32 Negative zu einem Skandalbild. Die Kritik? Nicht die Montage, sondern die nackte Haut. Fast 170 Jahre später macht die KI genau dasselbe – und unsere Reaktion ist identisch: Zensur und Angst vor dem "zu echten" Fleisch: Königin Victoria käme aus dem Lachen nicht mehr heraus.

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Camera says no: Über die neue digitale Prüderie.

Camera says no: Über die neue digitale Prüderie.

Der Erziehungsautomat. Aus dem wilden Kind Grok und der Gouvernante Google sind gleichermaßen Erziehungsautomaten geworden. Wenn der Algorithmus entscheidet, dass ein Bild gegen die „Safety Guidelines“ verstößt, erleben wir keine Sicherheit, sondern eine Infantilisierung des Sehens. Die Kamera hat jetzt eine moralische Auslösesperre – und wir sind die Kinder im digitalen Laufstall.

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Das, was hätte sein können: Barthes und der Geist in der Maschine

Das, was hätte sein können: Barthes und der Geist in der Maschine

Der Tod durch den Wäscherei-Lieferwagen. Roland Barthes hinterließ uns den Satz vom „Es-ist-so-gewesen“. Doch was passiert, wenn die synthetische Fotografie diesen Satz umschreibt? KI-Bilder sind keine Lügen, sondern die Summe aller möglichen Realitäten – das „Es-hätte-sein-können“.

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