Alles lügt. Aber schön. – Prompts aus der Dunklen Kammer.
Einst fürchteten Maler die Daguerreotypie, heute fürchten Fotografen Textzeilen. Das Bild hat seinen Status gewechselt: Es ist kein Beweis mehr, sondern eine statistische Plausibilität – und wird mit jedem Update überzeugender.
Dieser Blog ist ein Versuch, in diesem Übergang nicht die Orientierung zu verlieren. Kein Technik-Evangelium, kein kulturpessimistischer Rückzug. Ich habe mein ganzes Leben mit Fotografie zu tun – nicht als Fotograf – und sie trotzdem aus Gründen studiert. Das Analoge erscheint mir oft schlicht, das Synthetische komplex. Und manchmal genau umgekehrt.
Wer behauptet, den Kurs dieser Entwicklung zu kennen, verkauft meist Gewissheiten. Ich sammle hier eher Beobachtungen: steile Thesen, kleine Verschiebungen, gelegentlich ein Zitat. Es geht um Bildkultur im Zustand permanenter Neuberechnung – und um den Versuch, das Sehen nicht zu verlernen, während Maschinen längst gelernt haben, es zu simulieren.
Horst P. Horst
Hoyningen-Huene – Sie erinnern sich, der echte Baron – hatte der Modefotografie in der Zwischenkriegszeit ein zeitgemäßes Gesicht gegeben. Sein Partner und Zögling Horst Bohrmann aus Weißenfels bei Leipzig wird Ihn nach seinem Weggang bei der Pariser Vogue beerben und als Horst P Horst die Modefotografie länger als ein halbes Jahrhundert entscheidend prägen.
Im Westen mehr Lametta
Erich Maria Remarque. Seine Bücher im Nationalsozialismus verboten; seine Schwester von Freisler, einem fanatischen Nationalsozialisten in Richterrobe mit den Worten „Ihr Bruder ist uns entwischt, Sie werden uns nicht entwischen“ ermordet. Nach dem Krieg hatte er – wenig überraschend – kein Interesse an der Wiedererlangung der ihm entzogenen deutschen Staatsbürgerschaft, sein teilweise autobiografischer Roman „Im Westen nichts Neues“ wurde in seiner Wahlheimat USA verfilmt. Jetzt liegt eine unter deutscher Leitung entstandene Bearbeitung für Netflix vor.
Clifford Coffin
Die beeindruckende Geschichte des Fotografen Clifford Coffin und seiner Bedeutung in der Welt der Modefotografie. Coffins Arbeit, insbesondere seine Fotostrecke "Renaissance" aus der Juni-Ausgabe der amerikanischen Vogue 1947, hebt sich durch seinen optimistischen Blick auf die Nachkriegszeit und die Zukunft ab.
Brassai und Muncàksi - Eine kurze Geschichte der Modefotografie – 2. Teil.
Martin Muncàksi und Gyula Halász (Brassai), haben jeweils ihre Art die Modefotografie revolutioniert Muncàksi brachte Dynamik und Lebendigkeit in die Fotografie, während Brassai den Surrealismus und Kubismus einfließen ließ. Beide beeinflussten Generationen von Fotografen und veränderten die Modebranche nachhaltig.
Über das Blitzlicht
Ich wurde gebeten, mich nicht nur mit lange verstorbenen Fotografen und von Milchwagen überfahrenen französischen Philosophen zu beschäftigen. Daher heute mal was praktisches, über meinen alten Freund, den Blitz.
Die Leiche bitte 40m nach rechts
Die Fotografie ist ein besonders charmanter Lügner, dem man gern auch groteske Retuschen abkauft. In ihren Anfängen war die Fotografie da deutlich bescheidener - und robuster. Ein kleiner Ausflug in die Anfänge der Bildmanipulation.