Bildgeschichte & Retrospektive
Warum wir analoges Filmkorn fetischisieren, während Kameras klinisch perfekt werden. Ein Blick zurück auf die Helden von damals (Newton, Salomon, Miller), um zu verstehen, warum Perfektion eigentlich stinklangweilig ist – und warum unsere Helden mitunter ebenso stinklangweilig sind. - Synthetische Bildwelten, Medienkritik & Gesellschaft und Theorie & Diskurs.
Captain O’Keefe dokumentierte 1900 die Acht-Nationen-Koalition in Peking – nüchtern, militärisch und, trotz heutiger Fehlinterpretationen, ohne rassistische Intention. Ein historischer Moment globaler Machtverschiebung.
Der Januar erzählt Fotogeschichte. Am 23. Januar starb Helmut Newton, am 26. Januar wurde Yva geboren. Vor 90 Jahren begann der junge Helmut Neustädter seine Lehre bei ihr.
1857 montierte Oscar Rejlander 32 Negative zu einem Skandalbild. Die Kritik? Nicht die Montage, sondern die nackte Haut. Fast 170 Jahre später macht die KI genau dasselbe – und unsere Reaktion ist identisch: Zensur und Angst vor dem "zu echten" Fleisch: Königin Victoria käme aus dem Lachen nicht mehr heraus.
Warum reisen wir? Um zu lernen, zu entspannen – oder zu zeigen, dass wir es können? Der erste Teil dieser Essay-Reihe blickt auf die Grand Tour des Adels, frühe Souvenirs und den Wandel der Erinnerungskultur – vom Gemälde bis zur multimedialen Bühnenshow.
Der König der Indiskreten. Bevor Politiker lernten, in Kameras zu lächeln, war er schon da: Erich Salomon. Mit der Ermanox im Frack schlich er sich in die Hinterzimmer der Macht und stahl der Geschichte ihre ungestellten Momente. Ein Blick zurück auf eine Zeit, als das Foto noch ein Enthüllung war und keine Inszenierung.
Was bleibt vom Blick, wenn Nähe politisch wird? Zum Todestag von Bert Stern und im Schatten neuer Debatten über Geschlechterverhältnisse fragt dieser Text nach dem Verhältnis zwischen Fotograf und Modell – exemplarisch an Marilyn Monroe, gesehen durch zwei Männer: André de Dienes und Bert Stern. Zwei Blickwinkel, zwei Epochen – und ein leiser Nachhall dessen, was Nähe bedeuten kann.
Was bedeutet es, ein Fotograf zu sein – jenseits von Technik, Geschlecht oder Ideologie? Dieser Essay setzt sich kritisch mit der sprachlichen Auflösung des Berufsbegriffs auseinander und verteidigt die Bedeutung von Sprache für unser Denken. Eine pointierte Reflexion über Identität, Verantwortung und Bildkultur in Zeiten der Sprachlenkung.
Yousuf Karsh war mehr als ein Porträtfotograf – er war Chronist eines Jahrhunderts der Brüche. Seine Bilder von Winston Churchill und Konrad Adenauer sind nicht nur ikonisch, sie erzählen von Verantwortung, Überleben und der Last der Geschichte. Als Überlebender des Völkermords an den Armeniern wusste Karsh um die tiefen Schatten hinter öffentlichen Gesichtern. Dieser Beitrag beleuchtet, wie seine Kunst politische Macht und persönliche Geschichte miteinander verknüpfte – und warum seine Werke heute aktueller sind denn je.
Die Diktatur trug Strickjacke, die Demokratie trägt Blut. Walter Ulbricht inszenierte sich beim Frühstück, um den Terror bürgerlich zu machen. Heute simuliert Annalena Baerbock Weltgeschichte auf Influencer-Niveau. Doch erst das archaische Blut auf Donald Trumps Wange durchbricht dieses Simulacrum der Belanglosigkeit.
Die neuen Jakobiner wären beinahe erfolgreich gewesen, Eisenstaedts Fotografie vom Times Square 1945 in die Unsichtbarkeit zu verbannen. Doch mit jedem ihrer Versuche verschieben sich die Grenzen zuungunsten der Freiheit.
"The Americans" von Robert Frank ist ein Schlüsselwerk, das die Fotografie maßgeblich verändert hat. Robert Frank, ein Schweizer Migrant, dokumentiert mit scharfem Blick die amerikanische Gesellschaft der 1950er Jahre, die von tiefgreifenden sozialen und kulturellen Gegensätzen gezeichnet war. Nach seiner Erstveröffentlichung in Paris und der anfänglich kontroversen Aufnahme in den USA hat "The Americans" den Diskurs über die Möglichkeiten der Fotografie dauerhaft erweitert. Franks neutrale, beobachtende Haltung ermöglichte eine Form der Kritik, die frei von expliziter politischer Parteinahme war – eine Herangehensweise, die in einer zunehmend polarisierten Welt selten geworden ist.
Der dritte Teil vertieft die Kulturgeschichte der Bilder des Bösen, die dieses mal von den visuellen Vorboten des Zweiten Weltkriegs in Asien bis zu den modernen Darstellungen des Bösen in Medien und Kunst reicht. Es beleuchtet ikonische Bilder wie das der kleinen Ping-Mei im zerstörten Shanghai, die Gräueltaten von Nanking, die Brutalität des Spanischen Bürgerkriegs und den Holocaust. Der Text reflektiert über die Rolle der Fotografie bei der Vermittlung der Schrecken des Krieges und des Genozids, während er auch die Veränderungen in der Darstellung des Bösen bis hin zu seiner Nutzung in Unterhaltungsmedien und der offenen Visualisierung in der modernen Kriegsberichterstattung betrachtet.
Der zweite Teil der kleinen Serie zur Kulturgeschichte der Bilder des Bösen zeigt, wie die Fotografie im 19. Jahrhundert das Böse in einem neuen, scheinbar realen Licht darstellte. Von den frühen Bildikonen wie Lewis Thornton Powell bis hin zur demokratisierten und vulgarisierten Verbreitung des Bösen, beleuchtet dieser Teil die transformative Rolle der Fotografie.
Eine Reflexion über die Wiederholung von Gewalt- und Bildmustern in der Geschichte, bei der Parallelen zwischen dem Pogrom in Lwiw (Lemberg) 1941 und aktuellen Ereignissen in Israel 2023 gezogen werden. Geschichte wiederholt sich nicht exakt, doch grausame Muster der Vergangenheit kehren dennoch wieder.
Mit der Fotografie ist das so eine Sache: Ihre Macht liegt oft in ihrer Fähigkeit, den Betrachter mitten ins Geschehen zu katapultieren, ob er nun will oder nicht. Eine gute Fotografie überwindet räumliche und zeitliche Distanz, lässt miterleben, fühlen und nachvollziehen. Am 6. Juni jährte sich die Landung der Alliierten in der Normandie zum 79. Mal – einer der letzten großen Wendepunkte des 2. Weltkrieges. Es jährte sich somit auch die Geschichte der elf Fotografien von Robert Capa, die später als die „Magnificent Eleven“ bekannt wurden.
August Sanders "Die Jungbauern" zeigt drei junge Männer auf dem Weg zum Tanz. Sander schuf dieses herausragende Bild kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, der zum Totentanz des alten Europas werden würde. Und tatsächlich wurden die drei schon kurz darauf von der Realität des Lebens eingeholt, den nächsten Sommer werden nur zwei erleben.
"Unsere Bilder sind wir" zeigt die Bedeutung von Bildern in unserer Identität und erzählt die Geschichte von Marilyn Monroe, einer der größten Ikonen des 20. Jahrhunderts. Ihre berühmte Fotosession "The Last Sitting" mit dem Fotografen Bert Stern im Jahr 1962 fand im Bel-Air Hotel in Los Angeles statt und bestand aus zwei getrennten Fotosessions.
Die Fotografien von Marilyn Monroe und die Geschichte ihrer Zusammenarbeit mit Bert Stern sind ein faszinierendes Beispiel dafür, wie Bilder unsere Vorstellung von anderen Menschen und uns selbst prägen können.
Friendly Fire, False Memory. Wir erinnern uns falsch. Wenn wir Kim Phúc sehen, wie sie schreiend aus den Napalm-Schwaden rennt, sehen wir das moralische Ende des Vietnamkrieges. Wir sehen amerikanische Schuld. Doch die Geschichte ist komplizierter.
Über die Rezeption von Fotografien - und wie Bildikonen für uns gelesen werden.
5. Teil zur Geschichte der Modefotografie: Die Entstehung der Farbfotografie in Mode und Werbung:
Mit der Farbe in der Fotografie ist das so eine Sache, sie ist wie Dynamit – gefährlich, wenn man nicht weiß, wie man damit umgeht.
Hoyningen-Huene – Sie erinnern sich, der echte Baron – hatte der Modefotografie in der Zwischenkriegszeit ein zeitgemäßes Gesicht gegeben. Sein Partner und Zögling Horst Bohrmann aus Weißenfels bei Leipzig wird Ihn nach seinem Weggang bei der Pariser Vogue beerben und als Horst P Horst die Modefotografie länger als ein halbes Jahrhundert entscheidend prägen.
Erich Maria Remarque. Seine Bücher im Nationalsozialismus verboten; seine Schwester von Freisler, einem fanatischen Nationalsozialisten in Richterrobe mit den Worten „Ihr Bruder ist uns entwischt, Sie werden uns nicht entwischen“ ermordet. Nach dem Krieg hatte er – wenig überraschend – kein Interesse an der Wiedererlangung der ihm entzogenen deutschen Staatsbürgerschaft, sein teilweise autobiografischer Roman „Im Westen nichts Neues“ wurde in seiner Wahlheimat USA verfilmt. Jetzt liegt eine unter deutscher Leitung entstandene Bearbeitung für Netflix vor.
Die beeindruckende Geschichte des Fotografen Clifford Coffin und seiner Bedeutung in der Welt der Modefotografie. Coffins Arbeit, insbesondere seine Fotostrecke "Renaissance" aus der Juni-Ausgabe der amerikanischen Vogue 1947, hebt sich durch seinen optimistischen Blick auf die Nachkriegszeit und die Zukunft ab.
Martin Muncàksi und Gyula Halász (Brassai), haben jeweils ihre Art die Modefotografie revolutioniert Muncàksi brachte Dynamik und Lebendigkeit in die Fotografie, während Brassai den Surrealismus und Kubismus einfließen ließ. Beide beeinflussten Generationen von Fotografen und veränderten die Modebranche nachhaltig.
Ich wurde gebeten, mich nicht nur mit lange verstorbenen Fotografen und von Milchwagen überfahrenen französischen Philosophen zu beschäftigen. Daher heute mal was praktisches, über meinen alten Freund, den Blitz.
Die Fotografie ist ein besonders charmanter Lügner, dem man gern auch groteske Retuschen abkauft. In ihren Anfängen war die Fotografie da deutlich bescheidener - und robuster. Ein kleiner Ausflug in die Anfänge der Bildmanipulation.
Ja, die 80er waren großartig. Die Bonner Republik war muffig, die Grünen waren nur wenig mehr als bizarre Randnotizen und Madonna gab sich als betörende Jungfrau. Und wer sich als Jugendlicher etwas auf sich hielt, roch nach Lagerfeld, Haarspray - und natürlich Bel-Ray Zweitaktöl. Was für eine Zeit!
Und was ist uns geworden? Das möchte ich fotografisch herausfinden. Mehr dazu hier.