Alles lügt. Aber schön. – Prompts aus der Dunkelkammer.
Mit der Fotografie ist das so eine Sache. Damals hatten Maler Angst vor der Daguerreotypie, heute haben Fotografen Angst vor Textzeilen. Wir leben in spannenden Zeiten: Das Bild ist nicht mehr Beweis, sondern eine statistische Wahrscheinlichkeit, die mit jedem Tag besser aussieht.
Dieser Blog ist der Versuch, in diesem Chaos nicht völlig den Verstand zu verlieren. Ich bin kein Tech-Guru, der jeden KI-Hype als Erleuchtung feiert, aber auch kein Amish, der Digitales für Teufelszeug hält. Ich habe mein ganzes Leben mit Fotografie zu tun – nicht als Fotograf – und habe es dennoch aus Gründen studiert. Ich halte das Analoge für einfach, das Synthetische für kompliziert – und umgekehrt.
Wer behauptet, genau zu wissen, wo die Reise hingeht, lügt oder verkauft Workshops. Ich sortiere hier nur meine Beobachtungen, steile Thesen und gelegentlich ein Zitat von Roland Barthes – auch damit wir uns vor Wäscherei-Lieferwagen in Acht nehmen. Es geht um den Spaß am Sehen, auch wenn die Maschine uns dabei immer öfter auf die Finger haut ("Camera says no").
Orwell, Amelia und die Vergänglichkeit großer Mächte
Amelia ist mehr als eine entgleiste Kunstfigur. Sie markiert den Moment, in dem offene Gesellschaften beginnen, sich selbst zu misstrauen. Ein Blick auf Orwell, Großbritannien und den langsamen Verschleiß politischer Selbstgewissheit.
Die Gamifizierung des Verrats: Amelia und die Asymmetrie der Bilder
Amelia - ein lilahaariges Goth-Mädchen, ein staatlich finanziertes Lernspiel und eine Öffentlichkeit, die beschließt, beides nicht ernst zu nehmen. Was wie ein Randphänomen digitaler Jugendkultur wirkt, ist in Wahrheit ein Lehrstück über Macht, Peinlichkeit und den Kontrollverlust moderner Staaten.
Der moderne Staat scheitert nicht an Extremisten.
Er scheitert an Ironie.
Lastwagen in Bergamo
Die Kolonne der Angst. Bergamo, März 2020. Ein Militärkonvoi rollt durch die Nacht. Doch was haben wir wirklich gesehen? Und was haben wir hineinprojiziert? Gerade in Krisenzeiten entwickeln Bilder eine Eigendynamik, die eine rationale Einordnung unmöglich macht – vielleicht sogar unmöglich machen soll. Es ist der Moment, in dem sich reale Bedrohung mit historischem und medialem Trauma überlagert.
Pornografie ohne Körper: Die Sünde der Simulation
Wenn eine KI eine nackte Person generiert, hat sich niemand ausgezogen. Es gibt kein Opfer, keine Ausbeutung. Warum reagieren wir trotzdem mit Zensur und moralischer Panik? Ein Blick auf die "Sünde der Simulation".
Nude Britannia: Viktoria und die Silicon-Valley-Nonnen
1857 montierte Oscar Rejlander 32 Negative zu einem Skandalbild. Die Kritik? Nicht die Montage, sondern die nackte Haut. Fast 170 Jahre später macht die KI genau dasselbe – und unsere Reaktion ist identisch: Zensur und Angst vor dem "zu echten" Fleisch: Königin Victoria käme aus dem Lachen nicht mehr heraus.
Die Aufmerksamkeitsökonomie der Angst
Vom Hexensabbat zum KI-Golem. 1628 gestand Johannes Junius unter Folter den Ritt auf einem schwarzen Tier – nicht weil es wahr war, sondern weil es das virale Bild seiner Zeit war. Heute ersetzt der „Terminator“ den Teufel. Wir fürchten uns vor der KI als allmächtigem Golem, während die wahre Gefahr viel profaner ist.
Camera says no: Über die neue digitale Prüderie.
Der Erziehungsautomat. Aus dem wilden Kind Grok und der Gouvernante Google sind gleichermaßen Erziehungsautomaten geworden. Wenn der Algorithmus entscheidet, dass ein Bild gegen die „Safety Guidelines“ verstößt, erleben wir keine Sicherheit, sondern eine Infantilisierung des Sehens. Die Kamera hat jetzt eine moralische Auslösesperre – und wir sind die Kinder im digitalen Laufstall.
Newton im digitalen Laufstall
Digitale Lobotomie. Wo Helmut Newton und Terry Richardson die Provokation suchten, liefert die KI sterilen Hochglanz. Der Versuch, die Ästhetik der großen Erotomanen zu simulieren, endet in einer Dystopie der aggressiven Harmlosigkeit. Warum „Safety by Design“ das Ende der Ambivalenz bedeutet und warum wir den Schmutz im Bild brauchen, um uns als Menschen zu spüren.
Bilder, die man nicht sehen soll
Zwei Morde, zwei Bilderwelten: Der hilflose Moment in Charlotte, wo Iryna Zarutska ihr Leben verliert, und der digitale Spottsturm um Charlie Kirks blutigen Tod. Während das eine im Schweigen versinkt, feiert das andere in Memes und Reels als "verdiente" Rache. "Bilder, die man nicht sehen soll" – wo das Blut fließt, aber das Menschliche wie das Wahre erstarrt.
Eyes Up Here
Eine Rückbesinnung auf das, was Menschen seit jeher antreibt: Jugend, Attraktivität, Anziehungskraft.
Von Genua zum Kulturkampf – Die lange Reise der Jeans
Von Genua bis in die Schützengräben des täglichen Kulturkampfes: Die Geschichte der Jeans – vom Arbeitsstoff der Matrosen zur Ikone von Rebellion und High Fashion.
Dies ist nicht das Ende von Woke
American Eagle zeigt Sydney Sweeney – lachend, schraubend, Donuts drehend. Kein Symbolkitsch, kein Betroffenheits-Overkill.
Das Netz tobt, die Kasse klingelt.
Vielleicht nicht das Ende von Woke – aber das Ende des Anfangs einer Werbewelt, die wieder funktionieren will.
Bigfoot vloggt jetzt
Bigfoot springt aus dem Flugzeug – und sieht dabei erstaunlich gut aus. Was wie ein kurioses Internetvideo beginnt, entpuppt sich als Spiegel eines tiefgreifenden Wandels: Künstliche Intelligenz erzeugt längst in Stunden, was früher Wochen dauerte – und stellt unsere Vorstellung von Realität, Kreativität und Arbeit grundlegend infrage.
Schöner lügen mit Licht: Die Ästhetik des autoritären Bildes.
Die Diktatur trug Strickjacke, die Demokratie trägt Blut. Walter Ulbricht inszenierte sich beim Frühstück, um den Terror bürgerlich zu machen. Heute simuliert Annalena Baerbock Weltgeschichte auf Influencer-Niveau. Doch erst das archaische Blut auf Donald Trumps Wange durchbricht dieses Simulacrum der Belanglosigkeit.
Cancel Culture - Eisenstaedt und das Erbe eines Kusses
Die neuen Jakobiner wären beinahe erfolgreich gewesen, Eisenstaedts Fotografie vom Times Square 1945 in die Unsichtbarkeit zu verbannen. Doch mit jedem ihrer Versuche verschieben sich die Grenzen zuungunsten der Freiheit.
Orwells 1984 vs. Gemini 2024: Wenn Maschinen uns vergessen lassen, wer wir waren.
Letzte Woche glaubte ich noch, dass wir in Zukunft die Träume von Computern träumen würden. Seit dem Google Gemini-Desaster befürchte ich, dass diese Träume der Zwangseinweisung in einer virtuellen Besserungsanstalt entsprechen werden.
Lemberg 1941 – Gaza 2023: Pogrome, Bilder und die Wiederkehr der Barbarei.
Eine Reflexion über die Wiederholung von Gewalt- und Bildmustern in der Geschichte, bei der Parallelen zwischen dem Pogrom in Lwiw (Lemberg) 1941 und aktuellen Ereignissen in Israel 2023 gezogen werden. Geschichte wiederholt sich nicht exakt, doch grausame Muster der Vergangenheit kehren dennoch wieder.
Wenn YouTube lügt: Zen oder die Kunst, eine Softbox aufzubauen
Werde im Handumdrehen zum Softbox-Meister - unvorstellbarer Fame und Wohlstand garantiert!
Im Westen mehr Lametta
Erich Maria Remarque. Seine Bücher im Nationalsozialismus verboten; seine Schwester von Freisler, einem fanatischen Nationalsozialisten in Richterrobe mit den Worten „Ihr Bruder ist uns entwischt, Sie werden uns nicht entwischen“ ermordet. Nach dem Krieg hatte er – wenig überraschend – kein Interesse an der Wiedererlangung der ihm entzogenen deutschen Staatsbürgerschaft, sein teilweise autobiografischer Roman „Im Westen nichts Neues“ wurde in seiner Wahlheimat USA verfilmt. Jetzt liegt eine unter deutscher Leitung entstandene Bearbeitung für Netflix vor.
Das ist nicht gut für Dich
Die freie und in vielerlei Hinsicht respektlose Presse ist – Überraschung - eine deutsche Erfindung. Genauer: eine Berliner Erfindung. Die Berliner Illustrirte Zeitung (BIZ) war das Instatok der Zwischenkriegszeit, sie entwickelte den Bildjournalismus wie auch die Montage zu einer Kunstform. Mit einer verkauften Auflage von regelmäßig über einer Million Exemplaren war die BIZ darüber hinaus das reichweitenstärkste Medium der jungen Republik trug somit maßgeblich zur Entwicklung aller Bildmedien der Zeit bei.