Alles lügt. Aber schön. – Prompts aus der Dunkelkammer.

Mit der Fotografie ist das so eine Sache. Damals hatten Maler Angst vor der Daguerreotypie, heute haben Fotografen Angst vor Textzeilen. Wir leben in spannenden Zeiten: Das Bild ist nicht mehr Beweis, sondern eine statistische Wahrscheinlichkeit, die mit jedem Tag besser aussieht.

Dieser Blog ist der Versuch, in diesem Chaos nicht völlig den Verstand zu verlieren. Ich bin kein Tech-Guru, der jeden KI-Hype als Erleuchtung feiert, aber auch kein Amish, der Digitales für Teufelszeug hält. Ich habe mein ganzes Leben mit Fotografie zu tun – nicht als Fotograf – und habe es dennoch aus Gründen studiert. Ich halte das Analoge für einfach, das Synthetische für kompliziert – und umgekehrt.

Wer behauptet, genau zu wissen, wo die Reise hingeht, lügt oder verkauft Workshops. Ich sortiere hier nur meine Beobachtungen, steile Thesen und gelegentlich ein Zitat von Roland Barthes – auch damit wir uns vor Wäscherei-Lieferwagen in Acht nehmen. Es geht um den Spaß am Sehen, auch wenn die Maschine uns dabei immer öfter auf die Finger haut ("Camera says no").

Erich Salomon und die Erfindung der fotografischen Indiskretion
Bildgeschichte & Retrospektive Dino Mari Bildgeschichte & Retrospektive Dino Mari

Erich Salomon und die Erfindung der fotografischen Indiskretion

Der König der Indiskreten. Bevor Politiker lernten, in Kameras zu lächeln, war er schon da: Erich Salomon. Mit der Ermanox im Frack schlich er sich in die Hinterzimmer der Macht und stahl der Geschichte ihre ungestellten Momente. Ein Blick zurück auf eine Zeit, als das Foto noch ein Enthüllung war und keine Inszenierung.

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André de Dienes und Bert Stern – Norma Jeane und Marilyn Monroe
Bildgeschichte & Retrospektive Dino Mari Bildgeschichte & Retrospektive Dino Mari

André de Dienes und Bert Stern – Norma Jeane und Marilyn Monroe

Was bleibt vom Blick, wenn Nähe politisch wird? Zum Todestag von Bert Stern und im Schatten neuer Debatten über Geschlechterverhältnisse fragt dieser Text nach dem Verhältnis zwischen Fotograf und Modell – exemplarisch an Marilyn Monroe, gesehen durch zwei Männer: André de Dienes und Bert Stern. Zwei Blickwinkel, zwei Epochen – und ein leiser Nachhall dessen, was Nähe bedeuten kann.

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Fotograf oder fotografierend?

Fotograf oder fotografierend?

Was bedeutet es, ein Fotograf zu sein – jenseits von Technik, Geschlecht oder Ideologie? Dieser Essay setzt sich kritisch mit der sprachlichen Auflösung des Berufsbegriffs auseinander und verteidigt die Bedeutung von Sprache für unser Denken. Eine pointierte Reflexion über Identität, Verantwortung und Bildkultur in Zeiten der Sprachlenkung.

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Gesichter der Verantwortung – Karsh, der Genozid, die Macht und das Vergessen
Bildgeschichte & Retrospektive Dino Mari Bildgeschichte & Retrospektive Dino Mari

Gesichter der Verantwortung – Karsh, der Genozid, die Macht und das Vergessen

Yousuf Karsh war mehr als ein Porträtfotograf – er war Chronist eines Jahrhunderts der Brüche. Seine Bilder von Winston Churchill und Konrad Adenauer sind nicht nur ikonisch, sie erzählen von Verantwortung, Überleben und der Last der Geschichte. Als Überlebender des Völkermords an den Armeniern wusste Karsh um die tiefen Schatten hinter öffentlichen Gesichtern. Dieser Beitrag beleuchtet, wie seine Kunst politische Macht und persönliche Geschichte miteinander verknüpfte – und warum seine Werke heute aktueller sind denn je.

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Roland Barthes, Memento mori und die Bilder sterbender Haustiere
Theorie & Diskurs Dino Mari Theorie & Diskurs Dino Mari

Roland Barthes, Memento mori und die Bilder sterbender Haustiere

Wenn geliebte Haustiere sterben, bleibt oft nur das Bild – und das Gefühl, im rechten Moment Abschied genommen zu haben. Diese Reflexion folgt Roland Barthes’ Gedanken zur Fotografie als memento mori und beleuchtet die stille Kraft jener Aufnahmen, die das Ende eines kleinen Lebens einfangen. Ein Text über Trauer, Nähe – und die schwer auszuhaltende Rolle, aus Liebe den letzten Schritt mitzugehen.

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Bigfoot vloggt jetzt

Bigfoot vloggt jetzt

Bigfoot springt aus dem Flugzeug – und sieht dabei erstaunlich gut aus. Was wie ein kurioses Internetvideo beginnt, entpuppt sich als Spiegel eines tiefgreifenden Wandels: Künstliche Intelligenz erzeugt längst in Stunden, was früher Wochen dauerte – und stellt unsere Vorstellung von Realität, Kreativität und Arbeit grundlegend infrage.

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Schöner lügen mit Licht: Die Ästhetik des autoritären Bildes.

Schöner lügen mit Licht: Die Ästhetik des autoritären Bildes.

Die Diktatur trug Strickjacke, die Demokratie trägt Blut. Walter Ulbricht inszenierte sich beim Frühstück, um den Terror bürgerlich zu machen. Heute simuliert Annalena Baerbock Weltgeschichte auf Influencer-Niveau. Doch erst das archaische Blut auf Donald Trumps Wange durchbricht dieses Simulacrum der Belanglosigkeit.

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Orwells 1984 vs. Gemini 2024: Wenn Maschinen uns vergessen lassen, wer wir waren.

Orwells 1984 vs. Gemini 2024: Wenn Maschinen uns vergessen lassen, wer wir waren.

Letzte Woche glaubte ich noch, dass wir in Zukunft die Träume von Computern träumen würden. Seit dem Google Gemini-Desaster befürchte ich, dass diese Träume der Zwangseinweisung in einer virtuellen Besserungsanstalt entsprechen werden.

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Fotografie verstehen mit Roland Barthes
Theorie & Diskurs Dino Mari Theorie & Diskurs Dino Mari

Fotografie verstehen mit Roland Barthes

Besser Fotografieren mit Roland Barthes" ist eine zugängliche Einführung in die komplexe Welt der Fotografietheorie von Roland Barthes. Von der halbautobiografischen Perspektive Barthes' über die essentiellen Konzepte des 'studium' und 'punctum' bis hin zur emotionalen Kraft der Fotografie – dieser Text bietet praktische Einblicke, wie man die eigenen Fotografien mit tieferer Bedeutung und Wirkung anreichern kann.

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"The Americans": Wie Robert Frank die Sprache der Fotografie revolutionierte 
Bildgeschichte & Retrospektive Dino Mari Bildgeschichte & Retrospektive Dino Mari

"The Americans": Wie Robert Frank die Sprache der Fotografie revolutionierte 

"The Americans" von Robert Frank ist ein Schlüsselwerk, das die Fotografie maßgeblich verändert hat. Robert Frank, ein Schweizer Migrant, dokumentiert mit scharfem Blick die amerikanische Gesellschaft der 1950er Jahre, die von tiefgreifenden sozialen und kulturellen Gegensätzen gezeichnet war. Nach seiner Erstveröffentlichung in Paris und der anfänglich kontroversen Aufnahme in den USA hat "The Americans" den Diskurs über die Möglichkeiten der Fotografie dauerhaft erweitert. Franks neutrale, beobachtende Haltung ermöglichte eine Form der Kritik, die frei von expliziter politischer Parteinahme war – eine Herangehensweise, die in einer zunehmend polarisierten Welt selten geworden ist.

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Bilder des Bösen – Böse Bilder 3

Bilder des Bösen – Böse Bilder 3

Der dritte Teil vertieft die Kulturgeschichte der Bilder des Bösen, die dieses mal von den visuellen Vorboten des Zweiten Weltkriegs in Asien bis zu den modernen Darstellungen des Bösen in Medien und Kunst reicht. Es beleuchtet ikonische Bilder wie das der kleinen Ping-Mei im zerstörten Shanghai, die Gräueltaten von Nanking, die Brutalität des Spanischen Bürgerkriegs und den Holocaust. Der Text reflektiert über die Rolle der Fotografie bei der Vermittlung der Schrecken des Krieges und des Genozids, während er auch die Veränderungen in der Darstellung des Bösen bis hin zu seiner Nutzung in Unterhaltungsmedien und der offenen Visualisierung in der modernen Kriegsberichterstattung betrachtet.

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Bilder des Bösen – Böse Bilder 2

Bilder des Bösen – Böse Bilder 2

Der zweite Teil der kleinen Serie zur Kulturgeschichte der Bilder des Bösen zeigt, wie die Fotografie im 19. Jahrhundert das Böse in einem neuen, scheinbar realen Licht darstellte. Von den frühen Bildikonen wie Lewis Thornton Powell bis hin zur demokratisierten und vulgarisierten Verbreitung des Bösen, beleuchtet dieser Teil die transformative Rolle der Fotografie.

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