Alles lügt. Aber schön. – Prompts aus der Dunklen Kammer.

Einst fürchteten Maler die Daguerreotypie, heute fürchten Fotografen Textzeilen. Das Bild hat seinen Status gewechselt: Es ist kein Beweis mehr, sondern eine statistische Plausibilität – und wird mit jedem Update überzeugender.

Dieser Blog ist ein Versuch, in diesem Übergang nicht die Orientierung zu verlieren. Kein Technik-Evangelium, kein kulturpessimistischer Rückzug. Ich habe mein ganzes Leben mit Fotografie zu tun – nicht als Fotograf – und sie trotzdem aus Gründen studiert. Das Analoge erscheint mir oft schlicht, das Synthetische komplex. Und manchmal genau umgekehrt.

Wer behauptet, den Kurs dieser Entwicklung zu kennen, verkauft meist Gewissheiten. Ich sammle hier eher Beobachtungen: steile Thesen, kleine Verschiebungen, gelegentlich ein Zitat. Es geht um Bildkultur im Zustand permanenter Neuberechnung – und um den Versuch, das Sehen nicht zu verlernen, während Maschinen längst gelernt haben, es zu simulieren.

Das Bild ist tot? Nein. Es ist nur endlich frei.

Das Bild ist tot? Nein. Es ist nur endlich frei.

Die Inflation des Sehens. Was wir als „Entwertung der Kunst“ beklagen, ist in Wahrheit ihr radikaler Preisverfall. Vom Ölgemälde für Könige zum KI-Prompt für jedermann: Die Geschichte des Bildes ist eine Geschichte der Demokratisierung. Die KI-Revolution ist dabei nur die Generalprobe für etwas viel Größeres – das Ende der menschlichen Arbeit als identitätsstiftendes Merkmal.

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Rewrite statt rewind: Vom Pantoffelkino zum Prompt

Rewrite statt rewind: Vom Pantoffelkino zum Prompt

Rewrite statt Rewind: Wenn die KI Regie führt und zensiert Das Kino stirbt nicht, es wird flüssig. Wir bewegen uns vom passiven Konsum zum aktiven „Rewrite“: Der Zuschauer wird zum Schöpfer seiner eigenen Blockbuster. Doch diese Freiheit hat einen Preis. Während wir unsere hyperpersonalen Welten prompten, schaut eine digitale Gouvernante über unsere Schulter – eine KI, die nicht nur assistiert, sondern als moralische Instanz bewertet, markiert und denunziert.

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Newton im digitalen Laufstall

Newton im digitalen Laufstall

Digitale Lobotomie. Wo Helmut Newton und Terry Richardson die Provokation suchten, liefert die KI sterilen Hochglanz. Der Versuch, die Ästhetik der großen Erotomanen zu simulieren, endet in einer Dystopie der aggressiven Harmlosigkeit. Warum „Safety by Design“ das Ende der Ambivalenz bedeutet und warum wir den Schmutz im Bild brauchen, um uns als Menschen zu spüren.

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Vom Magnetismus der Surrogate

Vom Magnetismus der Surrogate

Aktuelle Bild-KIs erzeugen Figuren, die wie von einem unsichtbaren Magnetfeld in Richtung Harmlosigkeit gezogen werden. Erotik wird gebremst, Gewalt dagegen großzügig toleriert – ein paradoxes Zusammenspiel aus Safety-Filtern, Trainingsdaten und rechtlichen Ängsten. Dieses „Magnetfeld“ produziert eine neue Ästhetik: brave Surrogate, die nie ganz das tun dürfen, was der Nutzer eigentlich will. Doch gerade diese Reibung eröffnet eine neue Form des Erzählens – einen persönlichen Film, der sich nur für einen einzigen Zuschauer schreibt.

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Die Auflösung der Realität

Die Auflösung der Realität

Synthetische Bilder und Videos aus KI-Systemen wie Grok Imagine oder OpenAIs Sora überfluten Social Media mit täuschend echten, generischen Inhalten. Sie verwischen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, stellen die Authentizität von Informationen infrage und machen die Vergangenheit manipulierbar – ähnlich den Schatten in Platons Höhlengleichnis. Paradox: Je perfekter etwas wirkt, desto größer der Manipulationsverdacht.

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Bilder, die man nicht sehen soll

Bilder, die man nicht sehen soll

Zwei Morde, zwei Bilderwelten: Der hilflose Moment in Charlotte, wo Iryna Zarutska ihr Leben verliert, und der digitale Spottsturm um Charlie Kirks blutigen Tod. Während das eine im Schweigen versinkt, feiert das andere in Memes und Reels als "verdiente" Rache. "Bilder, die man nicht sehen soll" – wo das Blut fließt, aber das Menschliche wie das Wahre erstarrt.

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Das Bild wird Bühne – Inszenierungen der Ferne
Dino Mari Dino Mari

Das Bild wird Bühne – Inszenierungen der Ferne

Von der Grand Tour des britischen Adels über die Pauschalreisen von Cook und Stangen bis hin zu den ersten Urlaubsfotos: Die Geschichte des Reisens als soziale Praxis, Inszenierung und Bildkultur - wie Postkarten, Kameras und Fotografien wie die von Henri Cartier-Bresson die Art und Weise prägten, wie wir Ferne erleben und darstellen.

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Erich Salomon und die Erfindung der fotografischen Indiskretion
Bildgeschichte & Retrospektive Dino Mari Bildgeschichte & Retrospektive Dino Mari

Erich Salomon und die Erfindung der fotografischen Indiskretion

Der König der Indiskreten. Bevor Politiker lernten, in Kameras zu lächeln, war er schon da: Erich Salomon. Mit der Ermanox im Frack schlich er sich in die Hinterzimmer der Macht und stahl der Geschichte ihre ungestellten Momente. Ein Blick zurück auf eine Zeit, als das Foto noch ein Enthüllung war und keine Inszenierung.

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André de Dienes und Bert Stern – Norma Jeane und Marilyn Monroe
Bildgeschichte & Retrospektive Dino Mari Bildgeschichte & Retrospektive Dino Mari

André de Dienes und Bert Stern – Norma Jeane und Marilyn Monroe

Was bleibt vom Blick, wenn Nähe politisch wird? Zum Todestag von Bert Stern und im Schatten neuer Debatten über Geschlechterverhältnisse fragt dieser Text nach dem Verhältnis zwischen Fotograf und Modell – exemplarisch an Marilyn Monroe, gesehen durch zwei Männer: André de Dienes und Bert Stern. Zwei Blickwinkel, zwei Epochen – und ein leiser Nachhall dessen, was Nähe bedeuten kann.

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Fotograf oder fotografierend?

Fotograf oder fotografierend?

Was bedeutet es, ein Fotograf zu sein – jenseits von Technik, Geschlecht oder Ideologie? Dieser Essay setzt sich kritisch mit der sprachlichen Auflösung des Berufsbegriffs auseinander und verteidigt die Bedeutung von Sprache für unser Denken. Eine pointierte Reflexion über Identität, Verantwortung und Bildkultur in Zeiten der Sprachlenkung.

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Gesichter der Verantwortung – Karsh, der Genozid, die Macht und das Vergessen
Bildgeschichte & Retrospektive Dino Mari Bildgeschichte & Retrospektive Dino Mari

Gesichter der Verantwortung – Karsh, der Genozid, die Macht und das Vergessen

Yousuf Karsh war mehr als ein Porträtfotograf – er war Chronist eines Jahrhunderts der Brüche. Seine Bilder von Winston Churchill und Konrad Adenauer sind nicht nur ikonisch, sie erzählen von Verantwortung, Überleben und der Last der Geschichte. Als Überlebender des Völkermords an den Armeniern wusste Karsh um die tiefen Schatten hinter öffentlichen Gesichtern. Dieser Beitrag beleuchtet, wie seine Kunst politische Macht und persönliche Geschichte miteinander verknüpfte – und warum seine Werke heute aktueller sind denn je.

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Roland Barthes, Memento mori und die Bilder sterbender Haustiere
Theorie & Diskurs Dino Mari Theorie & Diskurs Dino Mari

Roland Barthes, Memento mori und die Bilder sterbender Haustiere

Wenn geliebte Haustiere sterben, bleibt oft nur das Bild – und das Gefühl, im rechten Moment Abschied genommen zu haben. Diese Reflexion folgt Roland Barthes’ Gedanken zur Fotografie als memento mori und beleuchtet die stille Kraft jener Aufnahmen, die das Ende eines kleinen Lebens einfangen. Ein Text über Trauer, Nähe – und die schwer auszuhaltende Rolle, aus Liebe den letzten Schritt mitzugehen.

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Bigfoot vloggt jetzt

Bigfoot vloggt jetzt

Bigfoot springt aus dem Flugzeug – und sieht dabei erstaunlich gut aus. Was wie ein kurioses Internetvideo beginnt, entpuppt sich als Spiegel eines tiefgreifenden Wandels: Künstliche Intelligenz erzeugt längst in Stunden, was früher Wochen dauerte – und stellt unsere Vorstellung von Realität, Kreativität und Arbeit grundlegend infrage.

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